| Morgendämmerung | 05:56 |
| Sonnenaufgang | 07:53 |
| Mittag | 12:34 |
| Nachmittag | 14:46 |
| Maghreb | 17:43 |
| Nacht | 18:46 |
| Mitternacht | 23:34 |

Der Monat Ramadan ist der islamische Fastenmonat. Er wird als Monat Gottes bezeichnet; in ihm liegt die Nacht der Bestimmung, in der Gott den Qur‘an herabgesandt hat.
Der Begriff Ramadan ist abgeleitet von der Wurzel ﺭﻤﺾ , was sowohl die Bedeutung von Hitze wie auch von Ruhelosigkeit hat. In diesem Sinne soll mit der Bezeichnung dieses Monats bereits die damit für den Fastenden verbundene Härte angedeutet werden, denn wer unter Hunger oder Durst leidet, ist zumeist auch ruhelos. Von Prophet Muhammad (s.a.s.) ist folgender Ausspruch überliefert: „Das Fasten (im Ramadan) verbrennt die Sünden und Fehler wie das Feuer das Holz verbrennt."
Imam Muhammad al-Baqir (a.s.) erzählte einem seiner Gefährten: „O ¹Ábir! Wer immer während des Ramadan bei Tage fastet, für Gebete in der Nacht steht, seine Begierden und Gefühle beherrscht, seiner Zunge Zügel anlegt, seine Augen niederschlägt und nicht die Gefühle anderer verletzt, wird von Sünden so frei werden, wie er am Tag der Geburt war." ¹Ábir sagte: „Wie rau sind diese Bedingungen!"
Der Ramadan ist der Monat der Herrlichkeit, denn er ist eine Zeit mit außergewöhnlichem Wert; in ihm umfasst die Barmherzigkeit und Gnade Gottes alle Geschöpfe; er beeinflusst die innere Erziehung des Gläubigen wie auch die äußere Entwicklung der Muslime.
Der Monat Ramadan ist der Monat der Einheit Gottes. Mit Beginn des Monats Ramadan bewegen sich die Gläubigen in Richtung zu Gott, und diese allgemeine Bewegung erfasst die gesamte islamische Gemeinschaft. Das Fasten bringt alle Gläubigen in eine einheitliche Situation, wie es sie in den anderen Monaten nicht gibt. Der Gläubige verbindet sich damit nicht nur mit der Zufriedenheit Gottes, sondern auch mit der gesamten Gemeinschaft des Islam. Deshalb beschreibt unser Prophet (s.a.s.) in einer Überlieferung das Fasten als Verwirklichung der Gottesknechtschaft unter den Gläubigen, indem er sagt:
„Es gibt zu allem ein Tor, und das Tor zur Gottesknechtschaft ist das Fasten."
Mit dem Fasten unterwerfen sich die Gläubigen wahrhaft Gott und verwirklichen die Gottesknechtschaft, denn das Fasten ist nichts anderes als die Negierung der seelischen Neigungen und die Beherrschung des eigenen Willens zur Zufriedenheit Gottes.
Das Fasten stärkt den Gläubigen innerlich so sehr, dass er seinen Neigungen und den Wünschen seiner Seele widerstehen kann. Der Monat Ramadan ist der Monat der Verantwortung gegenüber Gott, sich selbst und den Mitmenschen und anderen Geschöpfen. Durch Hunger und Durst und die anderen Beschwerlichkeiten, die das Fasten unter Umständen mit sich bringt, werden wir an den Tag der Auferstehung erinnert und an die jenseitige Belohnung und Bestrafung, die wir aufgrund unserer Handlungen im Diesseits erfahren werden. Wir werden dadurch darin bestärkt, uns in eine glückselige Richtung zu orientieren. Eine Überlieferung lehrt uns: „Das Fasten ist ein Schild gegen das Feuer."
Wir werden durch unser Fasten an den Hunger und das Leid unserer Mitmenschen erinnert und an unsere Verantwortung, für die Beseitigung der Ursachen für diese Armut und Leiden der Menschheit einzutreten. Denn das Glück des Einzelnen ist nicht vom gesamtgesellschaftlichen Glück und Wohlergehen zu trennen, sondern jeder Einzelne trägt Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft. Das Fasten verstärkt unseren Selbstschutz. Solange der Mensch sich bzw. seine wahre Persönlichkeit nicht von den Neigungen der Seele und den niederen Trieben befreit, kann er sich nicht entwickeln. Deshalb wurde im Qur‘an Taqwa bzw. Selbstschutz oder Selbstbeherrschung als bestes Ergebnis des Fastens bezeichnet. Dieser Aspekt der Unterwerfung unter den göttlichen Willen wird im Fasten deutlicher als in anderen islamischen Ritualen, weil es umfassender ist, denn es muss von Anbeginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang beachtet werden, und dies einen ganzen Monat hindurch.
Der Monat Ramadan ist der Monat der Selbsterziehung und Gottesfurcht; Wenn wir Gottesfurcht haben und uns für die Gebote und Befehle Gottes engagieren, zeigt uns Gott den Weg zu Sich Selbst: ,,O die ihr glaubt, wenn ihr Allah fürchtet, wird Er euch eine Auszeichnung gewähren und eure Übel von euch nehmen und euch vergeben; und Allah ist voll großer Huld." (Sure Al-Anfal, Vers 29). Am Ende spricht Gott schließlich von „taslim", der Unterwerfung, womit die Unterwerfung unter den Willen und die Zufriedenheit Gottes gemeint ist. Diese Unterwerfung oder Ergebung bedeutet absoluten Gehorsam, indem wir unser Leben und unser Streben an nichts anderem orientieren als an der Zufriedenheit Gottes.
Der Ramadan ist der Monat der Reue (arabisch: tauba). Reue bedeutet nichts anderes, als sich von allen sündhaften Taten und Verhaltensweisen zu reinigen und zu läutern, die der spirituellen Entwicklung des Menschen im Wege stehen. Je bewusster sich der Mensch der Sündhaftigkeit seines Tuns ist, desto größer wird die Veränderung in seinem Innern sein. Nur wer vom eigenen sündhaften Verhalten enttäuscht ist, sich bewusst davon abkehrt und aufrichtig den Vorsatz fasst, diese Sünde nicht noch einmal zu begehen, ist im islamischen Sinne ein reuevoller Mensch. Eine nur verbal ausgesprochene Reue, der kein entsprechendes Handeln folgt, ist keine wirkliche Reue.
Imam 3Ali (a.s.) hat die Reue wie folgt beschrieben: „Reue hat sechs Aspekte: Ein Bereuender muss wirklich traurig sein über das, was er getan hat; er muss den festen Entschluss fassen, das nicht wieder zu tun; er muss Entschädigung für alles leisten, was er Anderen Böses angetan hat; er muss die Verpflichtungen der Religion erfüllen, die er früher vernachlässigt hat; er sollte lange genug fasten, um das Fleisch wegzuschmelzen, das durch unreine und unerlaubte Nahrung zugewachsen ist; und er sollte den Geschmack des Gehorsams gegen Gott fühlen, da er früher den Geschmack der Sünde genossen hat."
Die Nähe, die der Mensch zu Gott im Ramadan gewinnt, soll ihm mit der Beendigung des Ramadan nicht wieder verloren gehen. Der Ramadan ist eine Chance zum Neuanfang. Der Mensch soll vielmehr mit dem, was er im Ramadan erreicht hat, sein Leben fortsetzen und es dadurch bereichern, anstatt es verloren gehen zu lassen.