Al-Fadschr - Die Morgendämmerung
Montag 06. Sep 2010 (Hamburg)
Morgendämmerung 04:31
Sonnenaufgang 06:38
Mittag 13:18
Nachmittag 14:55
Maghreb 20:23
Nacht 21:32
Mitternacht 00:13

Archiv - Ausgabe Nr. 138

Inhaltsverzeichnis
  • A. Jawadi Amuli:
    Göttliche Offenbarung und menschliche Vernunft
3
  • Imam Jafar as-Sadiq (a.s.):
    Vernunft und Schöpfung
9
  • J. ter Haar:
    Ratio als Voraussetzung für den Glauben an das notwendige Sein
15
  • R. Ramezani:
    Freitagsansprachen
    Die Lehre vom Heiligen Qur’an, Teil 2
22
  • S. M. N. Taghavi:
    Der islamische Toleranzbegriff, Teil 2
28
  • Qur’an lesen und verstehen:
    Sure 2, al-Baqara, Verse 34-39
36
  • Z. Khamehi:
    Qur’anische Begriffe: Iman
43
  • Jugendtagung im IZH:
    Die Notwendigkeit von Religion
45
  • Umfrage: Muslim/in und Deutsche/r?
    Glaube hat keine Nationalität
48
  • Die Pilgerfahrt in Überlieferungen
50
  • Die spirituellen Aspekte der Pilgerfahrt
51
  • Muslimische Nachrichten aus Europa
55
  • Imam Zaynu-l-Abidin (a.s.):
    Bittgebet zum Erstreben von Begehrtem
63
  • Meinungsumfrage Al-Fadschr
67
  • Die islamischen Feiertage 1431n.H. (2010n. Chr.)
70
  • Impressum · Abonnement
71
Vernunft und Glaube


Verehrte Leser!

Die Beziehung zwischen Glaube und Vernunft, die beide eine erkenntnistheoretische Funktion haben, beschäftigt Theologen und Philosophen seit alters her. Im Unterschied zur Vernunft impliziert Glaube eine Haltung zu bestimmten Behauptungen, die eine implizite oder explizite Bezugnahme zu einer transzendenten Quelle bedingt. Das Zusammenspiel von Glaube und Vernunft ist in diesem Sinne auch eng verbunden mit anderen religionsphilosophischen Themen, wie z. B. der Existenz Gottes, den göttlichen Eigenschaften, der Theodizee, Ethik usw.; letztlich geht es um die Frage, was die Vernunft für den Glauben an Gott bedeutet, bzw. was der Glaube an Gott für die Vernunft bedeutet. Im christlich-abendländischen Denken hat spätestens mit der Aufklärung die Synthese von Glauben und Vernunft bzw. Religion und Wissenschaft eine Abgrenzung erfahren. Für den Islam hingegen waren und sind Glaube und Vernunft untrennbar verbunden; er bedient sich der Vernunft für den Glauben. In diesemSinne kann es keine ethischen Wahrheiten ohne Rekurs auf Gott geben. Grundlegende Menschenrechte, Pluralismus, religiöse Toleranz und andere elementare ethische Werte sind muslimische Grundüberzeugungen. Wir leben in Europa in religiös pluralen Gesellschaften, die uns in Fragen des Glaubens und der Religion zu einer hermeneutischen Mehrsprachigkeit aufrufen, denn dies erst macht das Verstehen des anderen möglich. So können gläubige Menschen auf der Grundlage einer Synthese von Glauben und Vernunft gemeinsam für die Relevanz ethischer Werte und für Frieden und Wohlergehen in unseren Gesellschaften und der gesamten Welt eintreten.

Redaktion Al-Fadschr